Praxisbericht zum Thema Cost Engineering und Should Costing.

Praxisbericht Cost Breakdown Gesichtsschild von Prusa

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Cost Breakdown des Gesichtsschilds von PRUSA

In diesem Praxisbericht möchte ich Ihnen zeigen, wie viel eine Gesichtsschild (3D-Druck) mit Schirm kostet. In drei Szenarien betrachten wir die Auswirkung der Lohnkosten und werfen einen Blick auf China. Wenn Sie derartige Schilde herstellen oder einkaufen müssen, wissen Sie jetzt, wie der Preis zustande kommt und wie teuer eine solche Maske sein muss bzw. darf.

Der Hintergrund ist der Folgende. Wir unterstützen einen Formenbauer aus unserem Netzwerk der seine Produktion, wegen der Corona-Krise, auf Gesichtsschilde umgestellt hat. In diesem Zuge haben wir die Chance genutzt die Kosten des Gesichtschildes zu ermitteln.

Sie sehen in diesem Artikel vor allem die erstellten Breakdowns. Wir haben für Sie die komplette Präsentation auf Video aufgenommen, welches Sie unter folgenden Link in voller Länge auf YouTube sehen können.

https://www.youtube.com/watch?v=twMN0UElU0k&t=633s

Das Ziel

Im vorliegenden Fall diente die Kostenkalkulation dazu:

  • Die Kosten und den Preis eines Gesichtsschild, welche in Kleinserien mittels 3D-Drucker hergestellt werden, zu ermitteln
  • Content für die Cost Down Community zu erstellen, in dem wir einen Einblick in die 3D-Druck Technologie, Kosteneffekte von Löhnen und unterschiedlichen Herstellländern in drei Szenarien geben
  • Maskenherstellern, welche ihr privates Vermögen für den guten Zweck investieren, und Maskenkäufern, welche gerade mit hohen Preisen zu kämpfen haben, eine Grundlage für die Preisdurchsetzung zu geben

Die Methode

Imoran nutzt als Standard die prozessbasierte Zuschlagskalkulation. Hierfür wurde ein Exceltool entworfen, welches von den jeweiligen Experten, nach Ermittlung der Eingangsdaten, ausgefüllt wird. Genau das gleiche Exceltool steht auch unseren Nutzern des Cost Down Guides im Downloadbereich zur Verfügung.

Die Methode der prozessbasierten Zuschlagskalkulation hat praktische Vorteile:

  • Im Fokus stehen der oder die Prozessschritte, welche zur Erzeugung des Bauteils notwendig sind, wodurch die Methode sehr praxisnah ist
  • Die Kalkulationsgüte und Detailtiefe ist hoch, was bei der Identifizierung der Kostenhebel, der Ideenfindung und der Plausibilisierung ggü. des Lieferanten von großem Vorteil ist
  • Es können neben den Fertigungskosten der einzelnen Fertigungsschritte auch Zuschläge berücksichtigt werden, wodurch schnell und einfach ein Preis ermittelt werden kann

Der checklistenartige Aufbau sorgt für eine schnelle Kalkulationserstellung.

Das Ergebnis

Unser Betrachtungsgegenstand ist in Abbildung 1 zu sehen.

Das Gestell wurde von der Firma PRUSA entwickelt und als Antwort auf die Knappheit an Schutzausrüstung im Internet zum Download zur Verfügung gestellt. Menschen, welche einen 3D-Drucker besitzen und in der Corona-Krise durch die Produktion von Schutzausrüstung helfen wollen, können das 3D-Modell herunterladen und Gestelle drucken.

In diesem Fall handelt es sich um den Druck von Kunststoffgestellen mit einem 3D-Drucker, wie jeder ihn im Internet kaufen kann. Das Material, eine Kunststoffrolle, wird dem Düsenkopf zugeführt, welcher den Kunststoff aufschmilzt. Durch Verfahren des Kopfes durch Achsen und elektrischen Stellmotoren wird der flüssige Kunststoff auf eine Grundplatte aufgetragen. Nach einem Zyklus fährt der Düsenkopf einen Schritt nach oben und baut die nächste Schicht auf. Dieser Prozess wird solange wiederholt, bis das Bauteil fertig ist.

Abbildung 1 Komponenten eines Gesichtsschild und Herstellprozess

Um einen kompletten Bausatz zu haben, benötigt man jedoch auch noch einen Lochgummi und einen Schirm aus Plexiglas.

Gerade hier haben sich die Materialpreise verdoppelt oder verdreifacht. Wer also helfen möchte geht ein eigenes Risiko ein, weil er sein eigenes Kapital einsetzt und bindet. Mit dem Risiko eventuell auf dem Material sitzen zu bleiben, wenn der Bedarf doch nicht so hoch ist.

Sie stellen Gesichtsschilder her?

  • Welche Kosten gilt es also zu decken?
  • Und welcher Preis darf mit gutem Gewissen abgerufen werden?

Sie kaufen Gesichtsschilder ein?

  • Welcher Preis ist aufgrund der Situation überteuert?
  • Auf welcher Basis könnten Sie in Verhandlung eintreten?

Wir haben drei Szenarien betrachtet, wie Sie in Abbildung 2 sehen können.

Abbildung 2 Szenarien Übersicht

Szenario 1 zeigt ein Unternehmen, dass ganz regulär Gesichtschilde herstellt und damit Geld verdienen muss um zum Beispiel seine Kosten zu decken und übliche Löhne zahlen kann.

Szenario 2 zeigt einen Menschen der privat hilft und deswegen auf Lohnkosten weitestgehend verzichtet. Die Materialpreise und die Prozesskette verändert sich nicht ggü. Szenario 1.

Szenario 3 soll zeigen, wieviel eine in China hergestellte Gesichtsschilde mit gleichen Materialpreisen, der gleichen Bauweise und Fertigungskette, kostet.

In Abbildung 3 können Sie deutlich erkennen, dass sich die Kostenblöcke Materialeinzelkosten (MEK) und die Kosten der direkten Arbeitskräfte von allen anderen Kostenpositionen deutlich abheben.

Abbildung 3 Cost Breakdown Szenario 1

Die Kosten für den 3D-Drucker sind eher gering und vernachlässigbar. Der Prozess ist sehr stabil (Erfahrungswerte basieren auf PRUSA 3D Drucker) und bedarf sehr geringer Überwachung. Das Rüsten, was sich vor allem auf die Teileentnahme und den Start des Druckprozesses bezieht, wurde mit 5 Minuten berücksichtigt. Sie sehen jedoch an Hand der Rüstkostenposition, dass dieser Kostenbestandteil nicht sonderlich in das Gewicht fällt.

Die bereits genannte Verdreifachung des Preises für Plexiglasplatten und Lochgummi steigert die Materialeinzelkosten. Das Ausgangsmaterial für den Schirm wird in Platten (2m x 1,2m) beschafft und kostet 20,21 €/Stk. Der Lochgummi ist Meterware und wurde mit 3 Euro den Meter berücksichtigt.

Aufgrund vieler manueller Tätigkeiten, wie das Zuschneiden des Schirms und das Verpacken der Bausätze ist der Kostenblock für die direkten Arbeitskräfte relativ hoch.

In Abbildung 4 sehen Sie die Auswirkungen, wenn aufgrund von Hilfsbereitschaft auf reale Lohnkosten verzichtet wird.

Abbildung 4 Cost Breakdown Szenario 2

Die Kosten der direkten Arbeitskräfte sinken um fast 50%. Ein Verkaufspreis ohne Berücksichtigung von Mehrwertsteuer (Nettoverkaufspreis) würde nun statt 10,43 Euro je Maske bei 7,73 Euro je Maske liegen.

In Szenario 3 haben wir einen Mindestlohn aus China angesetzt. Dieser lag mit 600 Euro vergleichsweise hoch.

Abbildung 5 Cost Breakdown Szenario 3

Die Kostenblöcke, welche mit den Lohnkosten zusammenhängen, reduzieren sich nochmals. Der Nettoverkaufspreis liegt bei 6,50 Euro je Maske entgegen den 7,73 Euro je Maske aus Deutschland.

Fazit

Das Ergebnis zeigt in welchem Bereich ein realistischer Preis liegt und welche Kosten zu diesem Preis führen. Sie können die hier und im Video gezeigten Informationen gerne verwenden.

Da wir die Materialkosten, Prozesskette, Prozessdauer und Technologie in jedem Szenario nicht verändern, sehen Sie die Kosteneffekte bei Änderung der Lohnkosten.

Hier zeigt sich vor allem folgendes Problem. Gerade in der Debatte, die Produktion von Schutzausrüstung wieder nach Deutschland zu verlagern, spielen Faktoren für Kaufentscheidungen eine Rolle.

Wenn die Corona-Krise sich dem Ende neigt, wird die Nachfrage nach Schutzausrüstung abnehmen. Es ist wahrscheinlich, dass das Angebot die Nachfrage übersteigen wird, weil viele Produzenten gezwungen oder freiwillig in den Markt eingetreten sind. Sie müssen Ihre Investitionen in Technik und Material amortisieren.

Ein Faktor für eine Kaufentscheidung ist der Preis. Höhere Kosten, weil die Masken mit Löhnen in Deutschland produziert worden sind, müssen vom Markt akzeptiert und bezahlt werden ansonsten werden gerade Krankenhäuser, welche vermehrt unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten geleitet werden, ihr Material dort kaufen, wo es in ähnlicher Qualität günstiger ist. Das heißt unter normalen Bedingungen können wir davon ausgehen, dass Masken aus China gekauft werden, statt Masken aus Deutschland.

Ein Marktmechanismus, welcher sich nur durch Subventionen des Staates aushebeln lässt.

Zum Abschluss möchte ich Ihre Aufmerksamkeit auf unser Video lenken. In diesem geben wir einen ausführlichen Einblick in die Berechnungen und die Fertigungskosten in der Prozesskette.

Zudem gebe ich Anregungen für die Kostenoptimierung und Preisverhandlung.

Ich hoffe dieser Einblick in unsere Arbeitsweise bei Imoran und im Select.Expertennetzwerk hat Ihnen weitergeholfen.

Wenn Sie unsere Experten für Kalkulationsaufträge buchen wollen oder Unterstützung bei der Optimierung brauchen, dann nehmen Sie jetzt Kontakt auf:

sebastian.moeller@imoran.de

0173 9184913

Mehr Infos über das Expertennetzwerk gibt es hier.

 

BG, viel Gesundheit und satte Profite

Sebastian Möller